So vielfältig wie das Land, so unterschiedlich sind die Bewohner Kenyas, in dessen Staatsgebiet etwa 25
Millionen Menschen leben, die mehr als 40 ethnischen Gruppen angehören.
Das kenyanische Volk unserer Zeit ist aus verschiedenen historischen und neuzeitlichen
Einwanderungsbewegungen hervorgegangen. In den vergangenen Jahrtausenden waren es Stämme aus ganz
Afrika, die in diese fruchtbare ostafrikanische Region zogen. Eine der größten afrikanischen
Einwanderergruppen waren die Bantu, die in mehreren Wellen aus dem Westen und Südwesten nach
Ostafrika kamen. Zu den Bantu sprechenden Völkern gehören auch die Kikuyu, die heute mit 3 Millionen
die zahlenmäßig stärkste Ethnie sind. Sprecher nilotischer und kuschitischer Sprachen dagegen
zogen aus dem Norden beziehungsweise Nordosten des Kontinents hierher.
Die kuschitischen Volksgruppen bahnten sich von der somalischen Halbinsel in zahlreichen Kämpfen ihren
Weg nach Süden, wobei sie die Bantu und Araber aus ihren Küstensiedlungen vertrieben. Danach
schwenkten sie landeinwärts ins zentrale Hochland. Die kuschitische Sprachgruppe teilt sich deutlich in zwei
Untergruppen. Zur größeren gehören die Somali, die als Hirtennomaden den östlichen Teil
des nordöstlichen Dürregebiets besiedeln. Die Stämme der zweiten Untergruppe leben im
westlichen Teil dieser Region, zu ihr rechnet man vor allem die Rendille und Orma. Die Sprecher kuschitischer
Sprache leben in einer Region, die nicht für den Ackerbau geeignet ist. Ihr Hirtenleben ist daher eine
Anpassung an die schwierigen Umweltbedingungen.
Die größte afrikanische Bevölkerungsgruppe sind auch heute noch die Bantu, deren Sprache zur
Niger - Kongo - Sprache gehört. Nach der Volkszählung von 1989 beträgt der Bantu - Anteil an der
Gesamtbevölkerung 60%. Gegenwärtig konzentrieren sich die Bantu - Völker südlich einer
gedachten Linie zwischen dem Mount Kenya und der Stadt Lamu am Indischen Ozean. Dort treten sie vorwiegend in
drei geographischen Regionen auf: im Viktoria - See - Becken, in den East Rift Highlands und im
Küstengürtel. Zur Hauptgruppe der Bantu zählen neben den Kikuyu auch die Embu, die Meru, die
Mbere, die Kamba und die Tharaka. Sie leben hauptsächlich im fruchtbaren zentralen Hochland, das von den
Nyambene Hills im Distrikt Meru und der Nord - und Südseite des Mount Kenya bis zu den ersten
Anhöhen der Nyandarua - Berge reicht. Der Rest der afrikanisch - stämmigen Kenianer läßt
sich, grob gesagt, zwei weiteren Sprachgruppen zuordnen: der nilotischen und der kuschitischen. Vertreter des
Nilotischen sind die Luo, die Kalenjin, die Maasai und verwandte Stämme.
Die Kikuyu sind die größte Ethnie, mit einem Anteil von 20% an der Gesamtbevölkerung. Die
sieben größten Stämme - die Kikuyu, Luhya, Luo, Kamba, Kalenjin, Kisii und Meru - haben
zusammen einen Anteil von 81,3% an der Bevölkerung.
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Völkerwanderungen
Die Kuschiten konnten sich einer völligen Unterwerfung und Absorption durch andere Stämme
widersetzen. Ihre Nachkommen, darunter die Somali, die Galla oder Oromo, die Rendille und die Boni, besiedeln
heute die nördlichen und östlichen Teile Kenyas.
Die Bantu, die mit Abstand die größte Sprachgruppe Kenyas bilden, drangen von Süden und
Westen her in das Land ein.
Die Niloten, die beträchtliche Teile Ostafrikas besiedeln, lassen sich in drei Gruppen unterteilen: die
Fluß - See - Niloten, die Flachland - sowie die Hochland - Niloten. In der nilotischen Sprachgruppe existiert
eine der kleinsten ethnischen Gemeischaften Kenyas: die El Molo, die bei der Volkszählung von 1979 nur
noch 538 Stammesangehörige umfaßten. Die El Molo sind ein Seitenzweig der Turkana und leben als
Fischer am Turkana - See.
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