Kenyas Geschichte und Kultur beginnt in prähistorischen Zeiten.
Archäologen entdeckten in vielen Gebieten Kenyas (z.B. Rusinga Island, im Viktoria See und am Lake
Turkana) alle wichtigen Entwicklungsstufen des Menschen - vom Urmenschen bis zum Homo sapiens.
Für die Menschheitsgeschichte von größter Bedeutung ist die Periode der Jungsteinzeit. Im Laufe
dieser Epoche nämlich begannen die alten Jäger- und Sammelkulturen gezielt damit, Tiere zu
domestizieren und Ackerbau zu treiben. Und das bedeutet nicht weniger als den umwälzenden Schritt vom
Jäger- und Sammlerdasein zur Hirten- und Bauernkultur, der letztlich Voraussetzung für alle
späteren Entwicklungsschritte war. Funde von Tierknochen belegen, daß Rind, Schaf und Ziege
bereits zu den domestizierten Arten gehörten.
Die frühe Eisenzeit ist durch Töpferware gekennzeichnet, die mit feinen Einstichen und Rillen
dekoriert ist, die Vertiefungen, Erhebungen und unten abgerundete Dreiecke bilden. Eine zweite Gruppe
eisenzeitlicher Keramik, die aus dem Ende des ersten nachchristlichem Jahrhunderts stammt, ist offensichtlich in
seiner Herkunft auf das Turkwell-Becken beschränkt. Dort verzierte man die einzelnen Gefäße mit
Rillen in verschiedenen Abstufungen. In Zentralkenya gibt es eine dritte Gruppe, die sich dadurch auszeichnet,
daß die Gefäße hauptsächlich in einer einfachen Stempeltechnik bearbeitet sind.
Die ersten nicht-afrikanischen Volksgruppen Kenyas treten mit den Arabern des 7. Jahrhunderts in Erscheinung.
Durch den Aufstieg des Islam und den Unruhen in vielen Ländern, wie z.B. Oman, Iran und Syrien, führte
eine große Auswanderungswelle viele Araber an die Küstengebiete Ostafrikas. Aus der Vermischung
moslemischer Einwanderer mit der einheimischen afrikanischen Bevölkerung gingen die Vorfahren der heutigen
Suaheli-Völker hervor.
Sehr viel später im Zuge der Erforschung Afrikas, seiner Missionierung und kolonialen Besiedlung kamen dann
zahlreiche Angehörige anderer Nationen, vorwiegend Engländer, Inder und Pakistani, ins Land.
Im 15. Jh. n. Chr. trafen die frühen europäischen Entdeckungsreisenden an der Küste ein - die
ersten von ihnen waren Portugiesen.
Die Handelsbeziehungen der Küstenbewohner zur islamischen Welt und anderen orientalischen Völkern
wie Chinesen, Inder oder Indonesiern prägten eine Zivilisation mit sehr eigenen Zügen: z.B. die
Suaheli-Kultur, deren geistiger Mittelpunkt das islamische Weltbild ist. Unverkennbar für den Charakter der
Suaheli-Architektur in Kenya sind die Bauten aus Korallenstein mit ihren unverkennbaren "makuti" -
Dächern aus Palmwedeln.
An der Küste entstanden immer neue arabische Siedlungen, so daß die Suaheli-Kultur zunehmend in den
islamischen Einflußbereich geriet. Parallel zur Blüte der Suaheli-Kultur entwickelte sich im Inneren
Kenyas die sogenannte Azani-Kultur. Sie ging vollkommen andere Wege, war von ganz und gar afrikanischer
Prägung. Zu ihren bis heute erhaltenen Zeugnissen gehören Steinpaläste und monumentale
Befestigungen. Das Verbreitungsgebiet der Azani-Kultur umfaßte große Teile des kenianischen
Binnenlandes, vor allem das Rift Valley und das westliche Hochland.
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Die portugiesische Vorherrschaft
Als erste Europäer kamen die Portugiesen an die kenianische Küste und bewirkten in der Folge den
Niedergang der Suaheli - Herrschaft.
Der berühmte Entdecker und Seefahrer Vasco da Gama landete 1498 auf der Suche nach dem Seeweg nach
Indien mit seiner Flotte in Malindi. Viele Portugiesen folgten ihm. Angelockt von den Reichtümern der
ostafrikanischen Küste, umsegelten sie die Südspitze, plünderten hemmungslos die wohlhabenden
Stadtstaaten und kontrollierten schließlich für 200 Jahre deren Politik.
Über 20 Küstenstädte existierten unabhängig voneinander. So galten im Laufe der Geschichte
abwechselnd Pate, Lamu oder Faza als stärkste Stadt der Ostküste.
Einer der erfolgreichsten Portugiesen war Francisco d` Almeida, der 1505 mit 23 Schiffen gegen Mombasa zog und
die Stadt in einem blutigen Gefecht unterwarf. Die benachbarte Stadt Malindi verhielt sich diplomatisch. Getreu ihrem
Motto " Die Feinde Mombasas sind die Freunde Malindis " nahm sie die Portugiesen freundlich
auf.
Mombasa, wo seit 1593 Fort Jesus gegnerischen Angriffen trotzte, wurde zu einem der bedeutendsten
Stützpunkte Ostafrikas.
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Die neuen Herren der Küste
Wiederkehrende kriegerische Angriffe durch Eingeborene schwächten die Position der Portugiesen ebenso wie
Seuchen und Versorgungsschwierigkeiten. Als sich 1698 das ebenfalls von den Portugiesen dominierte Sultanat von
Oman mit den lokalen Herrschern Mombasas zu einem Aufstand verbündete, fiel Fort Jesus 1698 nach 15
monatiger Belagerung. Nun war die Siegespartei aus Oman tonangebend an der ostafrikanischen Küste. Nach
einer Phase der Kooperation wuchs die Abneigung gegen die Omani sehr schnell, und die Bevölkerung
reagierte mit Aufständen. Die Omani aber behielten die Macht. 1828 verlegten sie ihre Hauptstadt nach
Zanzibar und machten allmählich den Binnenhandel zu ihrer Domäne. War anfangs noch Elfenbein die
wichtigste Handelsware, so tat sich bald der Sklavenhandel als lukrativste Einnahmequelle auf. 1836 waren
Händler aus Zanzibar schon bis zum Kikuyu - Gebiet vorgestoßen, und 1854 hatten sie bereits die
Grenzen des heutigen Kenya hinter sich gelassen und Verbindung mit Uganda aufgenommen. Bestochen mit
Waffen und Glasperlen, überließen die Häuptlinge ihre Stammesgenossen der Sklaverei. Bis Ende
des 19. Jahrhunderts wurden mehrere Millionen afrikanische Sklaven - hauptsächlich von Westafrika aus in die
Südstaaten Amerikas, nach Brasilien, in die Karibik oder auch nach Zanzibar deportiert.
Offiziell wurde die Sklaverei 1873 verboten, bis der florierende Handel jedoch endgültig zum Erliegen kam,
dauerte es noch fast zwei Jahrzehnte.
Völkerbewegungen spielten sich im Inland nur zwischen den afrikanischen Stämmen ab, die teilweise
von Ackerbau und Viehzucht lebten, teilweise aber auch als Normaden durch das Land zogen.
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Entdeckungsreisen
Das unerforschte Land im Inneren Afrikas lockte im 19. Jahrhundert deutsche und britische Missionare, Entdecker,
Händler und Wissenschaftler nach Ostafrika. Die Deutschen Krapf und Rebmann berichteten vom
schneebedeckten Kilimanjaro; die Engländer Burton und Speke drangen zum Tanganijka-See vor, und Speke
schaffte es danach, ohne seinen erkrankten Partner, bis zum Viktoria-See ; der Schotte Thomson bereiste
das Maasai-Land und Graf Teleki erreichte einen großen See im Norden, den er nach dem
österreichischen Kronprinzen Rudolf-See (heute Turkana-See) nannte.
Das Wissen, das sie über Kenya zusammentrugen, legte den Grundstein für die spätere
Kolonisierung.
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Spielball der Kolonialmächte
Die Besitzansprüche Großbritanniens und Deutschlands lösten beträchtliche diplomatische
Aktivitäten aus. Großbritannien sicherte sich 1890 durch den Helgoland-Vertrag die Herrschaft über
Zanzibar, Kenya und Uganda. Die Deutschen erhielten im Gegenzug das vordem britische Helgoland und das heutige
Tanganijka. Die Herrscher beider europäischer Länder konnten sich freuen, jeder besaß damit einen
der afrikanischen Schneegipfel; Kaiser Wilhelm den Kilimanjaro und Königin Viktoria den Mount Kenya. Die
damals festgelegten Grenzen bestehen weitgehend heute noch.
Die weißen Siedler begnügten sich bei der Landnahme für ihre Farmen nicht mit den unbewohnten
Gegenden zwischen den Stammesgebieten. Rücksichtslos wurde die afrikanische Bevölkerung
vertrieben, und für viele blieb als einziger Ausweg, sich auf den Farmen der Weißen zu
verdienen.
Aber nicht nur Farmer kamen damals nach Ostafrika. Jäger und Abenteurer, die von den unermeßlichen
Jagdrevieren und der aufregenden Landschaft gehört hatten, zog das Land ebenso an wie prominente Touristen,
darunter Persönlichkeiten der großen Politik wie der US-Präsident Theodore Roosevelt oder
Winston Churchill.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, blieb das auch in Ostafrika nicht ohne Folgen. Hatten Briten und Deutsche hier
doch eine gemeinsame Grenze, die eine Konfrontation unvermeidlich machte. Der Patriotismus der Briten ließ
einen Großteil der Siedler zu den Waffen eilen. Erfolg hatten sie mit ihrem Kriegszug letztlich nicht, denn Paul
von Lettow-Vorbeck, der das Kommando über die Deutschen hatte, gelang es bis zum Kriegsende, seinem
überlegenen Gegner mit List standzuhalten. Nach dem Krieg bauten die Weißen Siedler ihre Position
noch aus. So wurden die Rechte auf ihre Ländereien von bisher 99 auf 999 Jahre verlängert. Ein weiterer
Zuzug britischer Einwanderer verschärfte die Situation. Vor allem das Land der Kikuyu wurde immer mehr
von den Farmen besetzt.
1920 wurde Kenya offiziell britische Kronkolonie - mit der Ausnahme des Küstenstreifens, der im Besitz des
Sultans von Zanzibar blieb, jedoch als Pachtgebiet an die Briten ging.
Auch den anderen Farbigen, wie den zahlreichen Indern war es verboten, in den White Highlands zu
siedeln.
Jomo Kenyatta einer war der Führer der entstehenden Unabhängigkeitsbewegung. Er reist bereits 1929
zum ersten Mal mit einer Delegation nach London, um dort für die Interessen der Afrikaner Gehör zu
finden.
1944 wurde Eliud Mathu als erster Afrikaner in die gesetzgebende Kammer berufen.
Im Jahre 1964 rief Mathu die erste politische Bewegung ins Leben, die über Stammesgrenzen hinweg wirkte.
Die Kenya African Association wurde später in Kenya African Union, KAU, umbenannt. Zum Präsidenten
der KAU wurde Jomo Kenyatta gewählt.
Die schlechte soziale und wirtschaftliche Lage verbitterte viele junge Kikuyu immer mehr, weshalb sie sich in
Geheimbünden zusammenschlossen. Sie eröffneten einen Guerillakrieg gegen die Regierung, der unter
dem Namen "Mau-Mau Aufstand" in die Geschichte einging.
Am 20. Oktober 1952 rief die Regierung den Notstand aus und ließ verschiedene KAU-Führer ins
Gefängnis werfen. Im Jahr darauf stellte man sie, darunter Jomo Kenyatta, in Kapenguria vor Gericht und
verurteilte sie zu sieben Jahren Zwangsarbeit. Es folgten Jahre der verzweifelten Revolte gegen die Kolonialregierung.
Schreckensmeldungen über die Grausamkeit der Mau-Mau Rebellen drangen in alle Welt. Doch die Fakten
sprechen gegen diese Nachricht: waren es doch über 10000 Kikuyu und Mau-Mau Rebellen, die ihr Leben
lassen mußten, dagegen starben nur 95 Europäer. Und zehntausende Afrikaner wurden in Lager interniert.
Den Briten gelang so zwar die militärische Eindämmung der Revolte, aber nur unter hohen Kosten und
mit größster Brutalität.
1956 kam die Wende: Nun waren die Briten zu Gesprächen mit den Afrikanern bereit. Der nun erarbeitete
Littleton-Plan war zwar rassistisch geprägt, aber dennoch ein entscheidender Schritt zu einer angemessenen
afrikanischen Vertretung in der gesetzgebenden Kammer. So durften nach der Wahl von 1957 acht weitere Afrikaner
ihre Landsleute parlamentarisch vertreten, unter ihnen übrigens ein junger Aktivist namens Daniel Arap
Moi.
Der Littleton-Plan wurde bald fallen gelassen, 1958 ersetzte man ihn durch die Lennox-Boyd-Verfassung, die die
afrikanischen Sitze in der Kammer auf 14 erhöhte. 1959 formierte sich daher eine Vielzahl neuer afrikanischer
Parteien, die die Unabhängigkeit und die Freilassung von Jomo Kenyatta und den anderen KAU-Führern
forderte.
Im April 1960 hob die Regierung die Notstandsverfügung auf. Nun konnten die
Unabhängigkeitsverhandlungen beginnen.
Im Mai 1963 fanden die ersten allgemeinen Wahlen statt. Die KANU, die 1960 entstand (Kenya African National
Union), siegte und Jomo Kenyatta wurde erster Ministerpräsident.
Erst am 12. Dezember 1963 erhielt Kenya die volle Unabhängigkeit. Jomo Kenyatta blieb Präsident bis
zu seinem Tod im August 1978.
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Uhuru und Harambee
Uhuru und Harambee, Unabhängigkeit und Zusammenarbeit, waren die Parolen für die Entwicklung der
heutigen Republik Kenya.
Unter großen Verlusten wurde 1964 ein Bürgerkrieg im Nordosten des Landes geführt, weil die
Somali der von Somalia unterstützten Shifta-Bewegung ihre Unabhängigkeit gefordert hatten.
1969 kam es nach der Ermordung des Luo-Politikers Tom Mboya durch einen Kikuyu zu blutigen
Auseinandersetzungen zwischen Luo und Kikuyu.
Als im August 1978 Kenyas erster Präsident Jomo Kenyatta im hohen Alter von 80 Jahren starb, wurde Daniel
Arap Moi sein Nachfolger.
1982 wurde ein Putschversuch der Luftwaffe, den die Studenten der Universität Nairobi unterstützten,
niedergeschlagen.
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