"Il torobo" - arme Teufel.
Mit diesem Allgemeinausdruck bezeichnen die Maasai alle diejenigen, die keine Herden besaßen. Keine
Kühe besitzen bedeutet, auf andere Beschäftigungen angewiesen sein: auf die Jagd wilder Tiere oder auf
die Fischerei. Dies war für die Maasai gleichbedeutend mit Armut und Grund zur Mißachtung.
Die ersten
europäischen Reisenden und Forscher der unbekannten Gegend der sogenannten Nordgrenze von Kenya
stießen auf Stämme, deren Sprache ihnen ganz unverständlich waren. Als Führer und
Träger dienten ihnen im allgemeinen die Maasai, und wenn diese mit den Völkern "ohne
Herden" zusammenstießen, nannten sie sie "il torobo": Die Forscher schrieben also
gewissenhaft in ihr Notizbuch das Wort il torobo und entstellten es allmählich, so daß Ndorobo, Dorobo
und sogar Wandorobo daraus wurde; die Vorsilbe wa entstammte der kiswahili Sprechart. So kam es
schließlich, ohne eigentliche Schuld der Forscher, daß eine gute Anzahl Stämme und Gruppen
ihren echten Namen verloren und alle gemeinsam Ndorobo genannt wurden. Es existieren in Wahrheit
über 12 Gruppen Ndorobo, die auf den Berggraten des Rift-Valley wohnen, jede mit ihren ursprünglichen
Namen, (gewöhnlich maasaischen Ursprungs, denn diese Gruppen wurden da und dortvon den Maasai
zurück gelassen, wenn sie von den Berggraten hinabstiegen und das Rift-Valley überquerten): Sogar
einige Samburu wurden als Samburu Ndorobo klassifiziert. Einigen Gruppen gelang es, sich von diesem Spitznamen
zu befreien, aber anderen gelang es nicht, und so werden sie auch heute noch, beim offiziellen Einwohneramt
Kenyas, Nderobo (und nicht Ndorobo) genannt; es handelt sich um die beträchtliche Anzahl von über
zwanzigtausend Individuen. Auch die El Molo wurden als "il torobo" klassifiziert: Tatsächlich
konnten ja ihr Leben und ihre tägliche Tätigkeit nicht mit bedeutsameren Worten beschrieben
werden.
Die Benennung El Molo scheint Kuschitischen Ursprungs zu sein und wahrscheinlich, was die Maasai mit dem
Ausdruck "il torobo" sagen wollten; zum mindesten: ein Volk, das sich auf dem See ( dem Turkana-See)
der Fischerei widmet.
Der El Molo-Stamm ist heute einer der Kleinsten Stämme Kenyas. Einige Missionare und Ethnographen
behaupten, die El Molo reinen Blutes dürften nicht mehr als vierzig sein, währen die mit Turkana- oder
Samburu-Blut 200 Individuen umfassen.
Die Harpune scheint die einzige Waffe der El Molo zu sein. Sie besteht aus einem Stück Eisen, an dem ein
pflanzlicher Strick befestigt ist (aus Dumpalmenfasern); dieser Strick ermöglicht es, sich der Harpune selbst
und der Beute zu bemächtigen und beides aufs Floß zu ziehen. Der lange Griff wird aus der Wurzel einer
Akazienpflanze hergestellt, die an einem gestimmten Ort wachsen muß, der als frei von jeglicher Art Tabu
gilt.
|