In der Turkana-Region lebt auch der Hirtenstamm der Boran, der mit den kuschitischen Stämmen
Südäthiopiens verwandt ist. Die Boran glauben an eine höhere Gottheit, mit der sie durch einen
Schamanen sowie durch Opfer und Gebete kommunizieren.
Wie die meisten afrikanischen Stämme sind auch bei den Boran die Kinder fest in das Stammesleben
eingebunden. Rituale und Feiern begleiten ihre Geburt und Namengebung. Während die einleitende Zeremonie
ausschließlich im Kreis der Verwandten und der engsten Freunde stattfindet, dankt man in einer
öffentlichen Feier der höchsten Gottheit und erfleht ihren Segen.
Einem Jungen schert der Vater das Haar, bevor er ihm nach weiteren Zeremonien einen Namen gibt. Am Morgen
darauf wird ein vorher gesegneter Rinderbulle geopfert, aus dessen Haut anschließend dünne
Armbänder für das Kind und seine Verwandten gefertigt werden. Ein Priester weissagt das Geschick des
Jungen, und das Fleisch des geopferten Bullen wird gemeinsam verzehrt. Da den Mädchen des Stammes
eine geringere Bedeutung zukommt, ist dementsprechend die Zeremonie der Namensgebung viel einfacher.
Mit langen Haaren darf sich ein Boran-Jüngling erst wieder zeigen, nachdem er seine Mannestugenden unter
Beweis gestellt hat - sei es, daß er einen Löwen, Elefanten oder Krieger aus einem anderen Stamm
tötet, oder eine eigene Familie gründet und auf diese Weise seinen Stamm stärkt.
Jeder Boran-Stamm ist hierarchisch in fünf Generationsgruppen gegliedert. Alle acht Jahre wechselt
ein Boran durch ein jeweils anderen.
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