Die Geschichte Ostafrikas


1505 stach von Portugal aus eine Flotte von 23 Schiffen in See, um die Handelswege im Indischen Ozean zu erobern.

Francisco de Almeida versuchte auf diplomatischem Weg zu erreichen, daß die Küstenstädte Ostafrikas ihren Handel unter portugiesische Aufsicht zu stellen. Da das Begehren zum Scheitern verurteilt war, gingen die frustrierten Portugiesen zu offener Aggression über.

Zanzibar und Kilwa, aber auch die kleineren Zentren wurden geplündert. Die Portugiesen zogen längs des Zambezi River ins Landesinnere, unterbrachen so die alten inländischen Handelsrouten und errichteten in Sena und Tete in Mocambique Militärstützpunkte.

Das Land wurde nach dem System "prazero" besiedelt. Sträflingen aus Portugal wurden in Ostafrika freies Land angeboten, mit dem Ergebnis, daß sowohl der südliche Sklavenhandel als auch der Goldhandel unter portugiesische Kontrolle fielen. Diese Art der Landnahme wurde ein prägender Beitrag zur Gründung von portugiesisch Mocambique.

Fort Jesus in MombasaDie Portugiesen kamen aber nicht als Siedler, sondern als Soldaten.

Beliebt waren sie nicht die Portugiesen; sie wurden wegen ihrer Brutalität geschmäht und afriti (Teufel) genannt. Gegen Ende des 17Jhr. wurden sie von den omanischen Arabern außer Landes gejagt. Mit der Niederlage bei Fort Jesus im Jahre 1698 wurden 200 Jahre Fremdherrschaft beendet. Als Vermächtnis blieben einige portugiesische Lehnwörter im Suaheli, und die Tradition des Stierkampfes auf der Insel Pemba.
 

 


Die Erforschung Ostafrikas

Die Mittelmeervölker beschäftigten sich schon sehr früh mit der Frage nach der Gestalt Ostafrikas, wobei die Herkunft des Nil, dessen Unterlauf in ihrem Kulturkreis lag, im Mittelpunkt der Interessen stand. "Caput Nili quaerere" - "nach den Quellen des Nils Fragen" - war im alten Rom eine gern benutzte Metapher zur Umschreibung eines kaum lösbaren Problems. Denn trotz aller Bemühungen war es weder den Ägyptern noch den Römern gelungen, die Papyrussümpfe des südsudanischen Sudd zu durchdringen und bis ins Quellgebiet des großen Stromes vorzustoßen. Die berühmte Weltkarte des Astronomen und Geographen Claudius Ptolemäus, der im zweiten Jahrhundert das Wissen seiner Zeit zusammengefaßt hatte, zeigt aber, daß man bereits damals recht feste umrissene Vorstellungen von den Regionen südlich der Sahara hatte. Danach sollte der Nil aus zwei Armen gebildet werden, die in den Seen Krophi und Mophi, zu Füßen der schneegekrönten "Mondberge" entspringen: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war dieses legendäre Gebirge Bestandteil vieler Afrika Karten, wobei es mal im heutigen Äthiopien, mal im Gebiet des Ruwenzori (zwischen dem Lake Albert und dem Lake Edward), dann wieder nahe der Virunger Vulkane (Rwanda) auftauchte. Während sich das christliche Abendland in der "dunklen Epoche" des Mittelalters auf sich selbst zurück zog, setzten die Araber die wissenschaftlichen Traditionen der Antike fort und erweiterten die geographischen Kenntnisse über den Kontinent.

In den Gesichtskreis Europas rückt Ostafrika erst wieder durch die Forschungsreisen der Portugiesen - das "Zeitalter der Entdeckung" war angebrochen. Dominierend war bald wieder die alte Frage nach den Quellen des Nils, und der Wunsch nach der Lösung dieses Rätsels wurde zur Triebfeder zahlreicher Forscher und Abenteuerer. Größtes Hindernis waren die arabischen Händler, die den Zugang der Ostküste und von Norden her unter Kontrolle hatten und dem europäischen Interesse mehr als reserviert gegenüberstanden. Dennoch drangen einige kühne Einzelgänger, viele von ihnen als Moslems verkleidet, immer weiter nilaufwärts vor. Als der Engländer James Bruce am 4. November 1770 an den Quellen des Blauen Nils in Äthiopien stand, war das Tor zu weiteren Erkundungen der ostafrikanischen Fluß- und Seesysteme aufgestoßen.

Ihren nachhaltigsten Impuls erhielt die Afrikaerforschung im Jahre 1788 mit Gründung der "African Assocation" (Gesellschaft zur Förderung der Erforschung der inneren Gebiete Afrikas), dem Vorläufer der 1830 ins Leben gerufenen "Royal Geographic Society". Dabei war den Briten zweifellos weniger an zweckfreier wissenschaftlicher Forschung gelegen, als an politischer und wirtschaftlicher Einflußnahme in dieser Region. Bis in die 1850er Jahre hinein widmete sich England überwiegend der Sahara und dem Niger, dann rückte Ostafrika in den Brennpunkt. Den Ausschlag dafür gaben die Entdeckungen der beiden deutschen Missionare Johannes Rebmann und Johann Krapf, die von Mombasa aus ins Landesinnere vorgedrungen waren. Rebmann war es vergönnt, am 11. Mai 1848 als erster den Kilimanjaro zu Gesicht zu bekommen, während sein Mitbruder knapp ein Jahr später vor dem Mt.Kenya stand. Ihr Bericht von Schneebergen am Äquator stieß in Europa bei Fachgelehrten zunächst auf höhnische Ablehnung. Die Aktivitäten der deutschen Missionare beunruhigten England jedoch, zumal die beiden mit ihrer Forderung nach der "Vormundschaft der christlichen Nationen" ganz offen für eine Kolonisierung des Gebietes eintrat. Das "Scramble for Africa", die Aufteilung des Kontinentes unter den europäischen Großmächten, begann sich abzuzeichnen.

Vor diesem politischen Hintergrund ist die Expedition der beiden Briten John Haning Speke und Richard Burton zu werten, die 1857 von der "Royal Geograhic Society" zur Erkundung ausgeschickt wurde. Auf alten Karavanenwegen zogen sie von Bagamoyo bis nach Ujiji am Tanganyika-See, dem vorgeschobenen Umschlagplatz für Gold und Sklaven. Während Burton das Gewässer für den Quellsee des Weißen Nil hielt, glaubte Speke diesen im Viktoria-See entdeckt zu haben, den er auf einer Exkursion von Tabora aus erkundet hatte, wo Burton, von Malariaanfällen geschüttelt, zurückbleiben mußte. Um seinen Forscherruhm geprellt, wies der ehrgeizige Burton die Entdeckungen seines Kollegen als Phantasiegebilde zurück und verteidigte seine eigene Überzeugung mit allen Mitteln.

Es bedurfte einer weiteren Reise von Speke, die er zusammen mit James August Grant durchführte, um die Geographischen Gesellschaft in London von der Richtigkeit der Messungen von 1858 zu überzeugen. 1862 schickte er von Khartoum aus sein berühmtes Telegramm "The Nil is settled", nachdem die beiden Forscher die Nordseite des Viktoria-Sees erreicht und als erste Europäer die Ripon-Falls zu Gesicht bekommen hatten, über die der See nach Norden entwässert. Es war jedoch nur die eine (wenn auch wichtigste) Quelle des Weißen Nil. Auf Anraten Spekes hatte sich der reiche Großwildjäger und Abenteurer Samuel Baker, der mit seiner Frau unterwegs war, weiter nach Westen gewandt, um dem Gerücht von der Existenz eines weiteren Binnengewässers nachzugehen. Mit Unterstützung des despotischen Herrschers Kamrasi befuhren die Bakers als erster Weiße den Luta Ngize-See, den sie zu Ehren des britischen Prinzgemahls Lake Albert nannten. Den Katarakten, über die der Viktoria-Nil in den See stürzt, verliehen sie im Gedenken an den Präsidenten der "Royal Geograhic Society" den Namen Murchinson Falls. Die beiden Quellseen des Nil waren damit nachgewiesen und die Vermutungen des Ptolemäus nach mehr als 1700 Jahren bestätigt worden.

Die herausragenden Leistungen in der Ostafrika Forschung sind ohne Zweifel dem schottischen Missionar David Livingstone zu verdanken, der 1840 im Alter von 27 Jahren nach Südafrika ging und von dort aus zu seinen vielen Reisen aufbrach. Unbewaffnet und auf sich allein gestellt, war er oft jahrelang im Gebiet der ostafrikanischen Seen unterwegs, sah als erster die Viktoria-Fälle und den Bengweolo-See im heutigen Sambia, in dem er die Quelle des Nils vermutete. Kein größerer Gegensatz zu ihm ist denkbar, als der amerikanische Reporter Henry Morton Stanley, der vom Verleger James Gordon Bennett beauftragt worden war, den als vermißt geltenden Livingstone 1871 zu suchen. Stanley war ein nüchterner Stratege ohne Sinn für den Zauber Afrikas, vom Ehrgeiz getrieben und zutiefst von der Überlegenheit westlicher Zivilisation überzeugt. "Die Wilden respektieren nur die Gewalt", lautete sein Credo. Schon in Zanzibar erfuhr der Zeitungsmann vom Aufenthaltsort des Missionars. Das "zufällige" Zusammentreffen der beiden Weißen in Ujiji, begleitet von den berühmten Worten "Dr. Livingstone, I presume", wurde zum denkwürdigen Ereignis der Afrikaforschung hochstilisiert, obwohl es allenfalls eine Notiz wert gewesen wäre.

Während Stanley sich im Ruhm des "Retters" sonnen durfte und Livingstone, bereits vom Tode gezeichnet, wieder in der Wildnis untergetaucht war (er starb 1873), erkundete die wohl eigenwilligste und schrillste Figur unter den Forschern die Region des heutigen Uganda. Emin Pascha alias Eduard Schnitzer, seit 1878 Gouverneur der türkisch-ägyptischen Äquatorial-Provinz, hatte sich seit dem Mahdi-Aufstand im Sudan (ab 1881) mit seiner Gefolgschaft in die Isolation Nordugandas zurückgezogen. Von Feinden umringt, fand der Sprachbegabte, aber etwas weltfremde Verwaltungsbeamte genug Zeit, sich seinen wissenschaftlichen Studien zu widmen, ohne wahrzunehmen, daß ihm die Kontrolle über seine Leute allmählich aus der Hand glitt und er zum Spielball der Großmächte wurde. Über den deutschen Forscher Junker und den Italiener Casati, die den gefährlichen Kurierdienst nach Zanzibar versahen, hielt er mühsam die Verbindung mit Europa aufrecht. Dort wurde schnell der Ruf nach Befreiung der Eingeschlossenen laut und 1887 kein geringer als Stanley mit der Rettungsaktion betraut. Diesmal hatte der Amerikaner es jedoch weit aus schwerer, als bei der Aureden, unter Militärischem Schutz zur Küste zu ziehen.

Vergeblich bemühte sich Stanley, Emin für die Engländer zu gewinnen. Mehr Glück hatten die Deutschen, die sich bereits auf Zanzibar und am Indischen Ozean festgesetzt hatten. Sie schickten den ehemaligen türkischen Offizier ins Landesinnere, um die dortigen Völker für ein deutsches Kolonialreich zu gewinnen. Mit der Ermordung Emin Paschas durch Abgesandte des mächtigen Sklavenhändler Tippu Tip (1892) ging die Zeit der großen Forschungs- und Entdeckungsreisen in Ostafrika endgültig zu Ende. Die koloniale Epoche war angebrochen.
 

 


Sklavenhandel

1840 verlegte Sultan Sayyid Said seine Regierung von Oman nach Zanzibar. Für die Küstenregion wurde ein neues und noch düstereres Kapitel ihrer Geschichte aufgeschlagen.

Ermutigt durch die Briten, annektierte der Sultan mehrere Küstenstädte und stattete das Land mit Karawanenrouten bis in den westlichen Kongo und das nördliche Uganda aus.

Den Arabern und den Suahelihändlern offenbarte sich eine einzige, aber um so profitträchtigere Ware: Sklaven. Während des gesamten 18. Jhr. entstanden immer mehr Zuckerrohrplantagen in Westindien und Brasilien. Die Folge war, daß ständig Arbeitskräfte angefordert wurden. Madagaskar, Reunion und Mauritius, französische Kolonien, forderten Plantagenarbeiter und der mittlere Osten verlangte Konkubinen, Eunuchen und Dienstboten.

In der Mitte des 19.Jhr. stießen Sklavenhändler auch ins Landesinnere vor, bis hin zum Lake Tanganyika. Ihnen war es lieber, Gefangene zu kaufen, als Gewalt anzuwenden und die Häuptlinge arbeiteten mit ihnen zusammen. Ganze Familien wurden für ein Bündel Kleider in die Sklaverei verkauft.

Die Sklaven mußten nach Bagamoyo marschieren und wurden von dort nach Sanitär eingeschifft. Dort hatten sie auf Nelkenplantagen zu arbeiten, oder sie wurden auf Sklavenschiffe verfrachtet, die sie in die Karibik, nach Amerika, in die französischen Kolonien oder zu den arabischen Ländern transportierten.

Captain Thomas Smollet von dem britischen Forschungsschiff Ternate beschrieb 1811 den Sklavenhandel auf Sanitär:" Die Schau beginnt um vier Uhr nachmittags. Die Sklaven werden wahrlich herausgeputzt, um den größten Gewinn herauszuziehen: die Haut wird gereinigt und mit Kokosnußöl poliert, die Gesichter werden mit roten und weißen Streifen bemalt, dann werden sie in einer Reihe aufgestellt, gestaffelt nach Größe und Alter. An der Spitze dieser Reihe, die aus Männern und Frauen, von sechs bis sechzig, zusammengepfercht sind, steht der Besitzer. Erregt eine dieser Gestalten die Aufmerksamkeit eines Zuschauers, so hat die Reihe still zu stehen, es folgt eine langwierige penible Überprüfung, die ähnliche Prozeduren auf Viehmärkten in Europa in den Schatten stellt. Der Sklave muß nun eine Strecke gehen oder rennen, um zu beweisen, aß die Füße nicht beschädigt sind. Ist der Preis ausgehandelt, werden die Sklaven ihren neuen Herren übergeben."

1830 wurde im gesamten britischen Königreich die Sklaverei verboten. Der Sultan untersagte daraufhin 1845 den Export von Sklaven aus Sanitär, doch die Araber waren nicht geneigt, dieses 200jährige lukrative Handelsgeschäft aufzugeben. Ihre Dhaus segelten weiter gegen die britische und französische Blockade an. Das Geschäft lohnte sich, wenn eine von vier Dhaus durchkam.

Die Sklaverei wurde 1885 auf der Berliner Konferenz abgeschafft - aber nur auf dem Papier. Afrika wurde von den imperialistischen Staaten - Deutschland, England, Frankreich - als ein Kontinent angesehen, dessen unermeßliche Schätze ausgebeutet werden konnten. Im Wettlauf um Kolonien wurde jede Anstrengung, die Sklaverei zu ächten, vergessen. Erst 1922 wurden die letzten Spuren menschlicher Knechtschaft ausgelöscht.
 

 


copyright Sigrun Lingel


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