Die meisten Ausländer kommen als Touristen nach Ostafrika und
suchen Erholung und Abenteuer. Die Exotik eines fernen Landes hat sie angelockt, sein Tierreichtum, die
bezaubernde Landschaft und der herrliche Strand. Fast alle wohnen in komfortablen Hotels an der Küste oder
in einer Lodge und Camps der Tierreservate. Meist beschränkt sich ihr Kontakt mit der Bevölkerung leider
nur auf Bestellungen im Restaurant oder auf kurze Gespräche mit Taxi- oder Safari-Fahrern. Das ist um so
bedauerlicher, als so die unschätzbare Erfahrung versäumt wird, Sitten und Gebräuche,
Verhaltensweisen und Lebensformen eines anderen Volkes kennenzulernen und dabei gegenseitige Vorurteile und
Mißverständnisse abzubauen. Natürlich ist es nicht immer leicht, mit Menschen einer anderen
Kultur in Kontakt zu kommen. Voraussetzung sind jedoch in jedem Fall Toleranz und respektvolles
Verhalten.
Es gibt sicher mehrere Gründe, die die Begegnung zwischen den Besuchern Ostafrikas und seinen Bewohnern
verhindern. Eine der Hauptschwierigkeiten bildet zweifelsohne das Sprachproblem. Aber mit etwas gutem Willen von
beiden Seiten läßt sich diese Barriere oft besser überbrücken, als man denkt.
So spricht zum Beispiel ein großer Teil der ostafrikanischen Bevölkerung Englisch. Doch oft ist es die
Ausdrucksweise der Touristen, die eine Verständigung erschwert. So hört man mitunter aus ihrem Mund
das Wort "nigger"; das an die diskriminierende Denkart des Kolonialismus erinnert oder, schlimmer noch,
an die Sklavenzeit. Und nach einem Kellner "boy" zu rufen, auf diese Idee käme in Amerika oder
Europa kaum einer, in Afrika halten es viele für normal.
Die koloniale Vergangenheit wirkt in den Ländern Afrikas bis heute nach, und Rassismus ist leider noch immer
ein Thema, gerade im Zusammenhang mit Touristen, von denen manche dummerweise Unzulänglichkeiten bei
der Bedienung, am Flughafen oder in Läden der "Faulheit, Ungeschicklichkeit oder gar Dummheit der
Afrikaner" zuschreiben.
Einmal abgesehen von der Fragwürdigkeit derartiger Vorurteile, steht dem eine völlig andere Realität
gegenüber: So spricht fast jeder Kenianer, der im Tourismus arbeitet, in der Regel mehrere Sprachen.
(Grundvoraussetzung für die Anstellung in einem Hotel sind gute Englisch Kenntnisse.) Und ein afrikanischer
Hotelmanager steht seinen Kollegen in anderen Teilen der Welt in nichts nach. Wird er einen doch vielleicht damit
verblüffen, daß er neben Englisch fließend Französisch, Deutsch oder Italienisch parliert - und
möglicherweise eine Hotelfachschule in der Schweiz absolviert hat. Auch der überwiegende Teil des
Hotelpersonals kann auf eine ausgezeichnete Ausbildung an einer hiesigen Hotelfachschule stolz sein.
Offenheit für das Neue, für die ungewohnten und fremdartigen Gebräuche eines anderen Landes
sollten zur Grundeinstellung eines jeden Reisenden zählen. Darüber hinaus ist zum besseren
Verständnis des Reisezieles auch ein wenig Information über dessen soziale und wirtschaftliche
Situation von Nutzen.
Doch viele Touristen wollen während ihres Urlaubs nicht mit den Problemen eines anderen Landes konfrontiert
werden, Armut und Krankheit sollen sich nicht in ihrer Nähe abspielen. Aber manche Verhaltensweise wird
verständlich, wenn man weiß, daß das Monatsgehalt eines Kellners oder Fahrers in etwa dem
Budget eines einzigen Urlaubstages entspricht.
|